| Die Komposttoiletten des Ökohaus e.V. Rostock | Drucken | |
Die seit 1995 installierten Komposttoiletten in der "Ökovilla" des Ökohaus e.V. Rostock sind die ersten ihrer Art in einer öffentlichen, innerstädtischen Einrichtung in Deutschland. Im Unterschied zu üblichen Wassertoiletten kommen Komposttoiletten ohne Spülung und damit ohne Wasser aus. Da der durchschnittliche, tägliche pro-Kopf Wasserverbrauch für die Wasserspülung und die anschließende Wasseraufbereitung ungefähr 45l beträgt, spart der Ökohaus e.V. schätzungsweise 100.000 Liter Trinkwasser pro Jahr."...Muß ich meine Scheiße verschenken und damit die Umwelt vergiften? Ich behalte sie mir lieber und wandle sie in Gold um." (Friedensreich Hundertwasser, Wien) 1. Wie funktioniert die Komposttoilette? 2. Zertifizierter Kompost 3. Genehmigung 4. Wissenschaftliche Begleitung 1. Wie funktioniert die Komposttoilette? Im Kompostbehälter steckt Leben. Es sind verschiedenste Bodenorganismen, die im Rotteprozess die menschlichen Ausscheidungen als Nahrung nutzen. Die Fäkalien fallen direkt in die Kompostbehälter, die sich unter den Toilettensitzen befinden. Das Rottematerial wird durch verschiedenste Bodenorganismen in mehreren Stufen zu Kompost zersetzt, wobei eine starke Volumenreduzierung stattfindet. Für eine optimale Rotte sollte der Kohlenstoffgehalt über dem des Stickstoffs liegen. Bei den menschlichen Ausscheidungen liegt der Stickstoffanteil jedoch deutlich höher. Deshalb wird täglich kohlenstoffreiches Strukturmaterial wie Strauchschnitt, Rindenmulch oder Holzhackschnitzel zugegeben. Die für den Rotteprozess notwendige Sauerstoffzufuhr wird über ein technisches Be- und Entlüftungssystem gewährleistet. Ein Ventilator saugt über Bodenöffnungen am Kompostbehälter Frischluft durch das Haufwerk im Rottebehälter und gibt die Abluft über einen Schornstein ab. Diese Zwangsentlüftung sorgt auch dafür, dass bei der Toilettenbenutzung auftretende Gerüche "abgesaugt" werden. Das Rottegut wird jedoch auch von wühlenden Bodentieren (z.B. Mistwürmer, Asseln, Tausendfüßer) "durchgearbeitet" und damit durchlüftungsfähig gehalten. Die Anlage wird regelmäßig bewirtschaftet und der Rotteprozess kontrolliert (Belüftung und Durchmischung des Komposts, Messen von Temperatur und pH-Wert). Einmal pro Jahr kann der durchgerottete Kompost an der Entnahmeklappe entnommen werden. 2. Zertifizierter Kompost Der Betrieb der Komposttoiletten im Ökohaus, der Rotteverlauf und die Kompostqualität wurden und werden durch wissenschaftliche Untersuchungen und Eigenkontrolle dokumentiert. Die Berger Biotechnik GmbH aus Hamburg ist der Kooperationspartner für die Installation. Mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung wurde ein wissenschaftliches Begleitprogramm der Universität Rostock durchgeführt und die Qualität des Kompostes durch ein Analyse-Labor ermöglicht. Die Ergebnisse der Untersuchungen führten zu einer Anpassung der Bewirtschaftungsmaßnahmen. Sie belegen inzwischen einen guten Rotteverlauf sowie die hygienische Unbedenklichkeit des Kompostes. Nach Abschluss der Pilotphase hat die Hansestadt Rostock die Genehmigung für die dauerhafte Nutzung der Komposttoilettenanlage erteilt. Damit ist die Genehmigungsfähigkeit von Komposttoilettenanlagen in öffentlichen Einrichtungen nachgewiesen. ![]() Im Ökohaus wird jährlich Komposterde produziert. Der fertige Kompost zeichnet sich durch hohe Nährstoffgehalte aus. Er kann in Kleingärten oder Grünanlagen zur Düngung und Bodenverbesserung eingesetzt werden. 3. Genehmigung Es war nicht einfach, die zuständigen Ämter (Bauordnungsamt, Amt für Umweltschutz, Gesundheitsamt, Ämter der Stadt und des Landes, Umweltministerium usw.) zu überzeugen, dass es möglich ist, eine Komposttoilette in einem Haus mit halböffentlicher Nutzung zu betreiben. Es kostete uns einiges an Geduld und Überredungskunst, bis wir endlich eine befristete Genehmigung bekamen, die Toiletten zu installieren. Die Behörden hatten Zweifel an der hygienischen Unbedenklichkeit der Komposttoiletten und der Rotterückstände. Das Projekt wurde zunächst vom Bauordnungsamt als nicht genehmigungsfähig eingestuft, dann aber unter Auflagen befristet zum 31.12.1997 genehmigt (später verlängert zum 31.12.1999 und dann bis zum 31.12.2016). Das Ganze lief im Rahmen eines bundesweiten Pilotprojektes an und unter der Voraussetzung, dass der Kinderladen eigene Toiletten mit Wasserspülung bekam. Es entwickelten sich im Laufe der Zeit gute Kontakte zu einigen Ämtern bzw. deren Mitarbeitern. Das Projekt wurde zunächst von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt unter dem Titel: "Nachweis der Genehmigungsfähigkeit einer großdimensionierten Komposttoilettenanlage im städtisch- öffentlichen Raum am Modellprojekt Ökohaus Rostock unter Berücksichtigung baurechtlicher, epidemiologischer und siedlungswasserwirtschaftlicher Aspekte und der Gesamtökobilanz" gefördert. Von EURA- Wasser haben wir am 15.11.1993 die Standortzustimmung für unsere Wasser- und Abwasseranschlüsse erhalten. Der Warnow- Wasser- und Abwasserverband (WWAV) stimmte am 05.12.1995 unserem Antrag auf Teilbefreiung vom Anschluß- bzw. Benutzungszwang für die öffentliche Abwasseranlage zu. Auflagen: Befristung, Mitteilungspflicht bei Sickerwasseranfall, Widerrufsvorbehalt laut Verwaltungsverfahrensgesetz Gesetzliche Grundlagen: WHG, WVG, LwaG, Abwassersatzung Vom Bauordnungsamt als Genehmigungsbehörde der Baumaßnahme unter Einbeziehung weiterer städtischer Ämter (Gesundheitsamt, Umweltamt, Gewerbeaufsichtsamt usw.) erhielten wir einen Befreiungsbescheid am 24.11.1994. Auflagen: Befristung, wissenschaftliches Begleitprogramm Gesetzliche Grundlagen: LbauO, GastBauR, ArbStättV Das Gewerbeaufsichtsamt als Vertreter der Arbeitnehmerbelange erteilte am 29.08.1994 eine Ausnahmegenehmigung . Auflagen: wissenschaftliches Begleitprogramm Gesetzliche Grundlagen: ArbStättV, ASR 37 Der durch unzureichende Pflege der Komposttoilettenanlage entstandene "erste Kompost" sollte aufgrund mangelhafter Untersuchungsergebnisse vom Kompostwerk Parkentin "entsorgt" werden. Ab 1999 wurde die Bewirtschaftung dann grundlegend umgestellt (tägliches Einstreuen mit Rindenmulch, wöchentliches Glätten der Fallkegel und grundlegende Reinigung sowie monatliches Belüften des Rotteguts und Messen einfacher Parameter wie pH- Wert, Temperatur usw.). Die Prüfberichte der LUFA vom 29.05.2002, sowie vom 10.06.2003 (nach einjähriger Nachrotte des Komposts) belegen die Unbedenklichkeit, den hohen Nährstoffgehalt und somit den Nutzen für Blumen und Ziergehölze, den unser Kompost nun hat. Die Auflagen lauten nun: Es ist kein gewerbliches Inverkehrbringen des Fäkalkomposts vorzunehmen, da ansonsten die Düngemittelverordnung anzuwenden ist. Der anfallende Kompost muss hygienisch unbedenklich sein 4. Wissenschaftliche Begleitung Beprobung: Im April 2002 wurde nach fünf Jahren täglicher Nutzung erstmals ein Kubikmeter Kompost entnommen. Hierbei stand die Firma Berger Biotechnik , die Anlage auch installiert hat, hilfreich zur Seite. Die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Rostock konnte nichts Bedenkliches feststellen, vielmehr lag der Wert für fäkalcoliforme Bakterien mit zwei Zehnerpotenzen deutlich unter der Orientierungsmarke. Die Ergebnisse waren allerdings nicht immer so rosig. Aus dem Abschlußbericht von 1999 ging hervor, dass die Rückstände aus den Komposttoiletten bisher nicht den an Kompost gestellten Anforderungen entsprachen. Die schlechten Ergebnisse bewegten die Zuständigen, ihr Bewirtschaftungskonzept grundlegend zu überdenken. Es sind eine Fülle von neuen Aufgaben auf das Klo-Team zugekommen, die Mühe hat sich jedoch gelohnt. Nach der Umstellung der Bewirtschaftung, fand die erste Beprobung am 27.04.2002 statt. Die Ergebnisse waren dies Mal sehr zufriedenstellend. Das Material wies hohe Gehalte an Pflanzennährstoffen wie Kalium oder Stickstoff- und Phosphorverbindungen auf. Salmonellen und Escherichia coli konnten nicht nachgewiesen werden. Der bereits untersuchte Kompost wurde nach einjähriger Nachrotte am 10.05.2003 nochmals beprobt, die Ergebnisse waren nach wie vor einwandfrei. Weiterhin wurde bestätigt, dass das Material nun noch besser durchgerottet sei und sich somit die Qualität weiter verbessert hat. |
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| Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 23. April 2009 ) |